New York

Moloch der Betriebsamkeit,
Vielfalt in aller reinster Form,
dennoch kein Leben ohne Norm.
Hoch ist die Geschwindigkeit
im Denken, Schaffen und Gewinne maximieren
und sie genauso schnell wieder verlieren.

Hart ist dieses Leben dort,
24/7 ist man verhaftet,
großer Druck auf jedem lastet.
Kein Müßiggang an diesem Ort,
doch unendlich viele Möglichkeiten
den Gegenwert dafür bereiten.

Ja, New York ist anspruchsvoll:
Intellektuell und auch sonst, wie jeder weiß.
Vielfalt und Toleranz haben nämlich ihren Preis,
den man in Dollar zahlen soll.
Nicht jeder kann den Stress ertragen
ohne den Therapeuten zu befragen.

Zum Glück hält NY kleine Cafés bereit,
in denen Katzen interagieren,
der Menschen Stress zu therapieren.
Oasen entspannter Langsamkeit!
Abenteuerlichste Sachen,
die NYC besonders machen.

Doch New York lässt einen die Freiheit spüren,
kann mit Inspiration jeden schnell verführen!
Aber auch Schatten, wo so viel Licht ...
Möcht‘ ich dort auf Dauer leben? Ich weiß es nicht!

© 2021 Joanna Watson Stein

Ein Tag im November

Es war die Farbe grau,
die abweisend und rau
und völlig ungeniert
diesen Novembertag regiert.

Regen, der unbarmherzig auf das Straßenpflaster fällt,
kein Sonnenstrahl, der diesen Tag erhellt.
Braune Halme, einst gehüllt in Blumengewänder,
säumen zerzaust das nasse Balkongeländer.

Auf der Suche nach Wärme und nach Licht
fällt ihr Blick in sein Gesicht.
Verzweifelt sieht sie dort mit aller Klarheit:
Eisige Kälte und Gleichgültigkeit sind in Wahrheit
das Einzige, das er ihr noch gibt,
weil er nicht sie, sondern nur sich selbst noch liebt.
Die Befürchtung wuchs in ihr schon lange,
raubte ihr das Selbstbewusstsein, machte sie bange,
raubte ihr den Schlaf und die Gelassenheit,
verbannte sie hinter ängstliche Betriebsamkeit.
Er hat sich von ihr abgewendet,
nun umfängt sie Grabesstille, die nicht endet.

Nichts Erbauliches, wohin der Blick auch schweift.
Tristesse ist’s, die ihr Herz ergreift:
Kalte, graue Hoffnungslosigkeit
in dieser stillen, verregneten Novemberzeit.

Die Zukunft birgt seit heute nichts als Leere.
Auf jedes Dunkel folgt ein Licht? Was aber, wenn dem nicht so wäre?
Und die Angst ergreift sie prompt:
Was, wenn nie wieder Licht und Frühling kommt?

© 2021 Joanna Watson Stein

Maastricht

Zusammen kamen ein paar Staaten,
über Kooperation sich zu beraten:
Ein Pakt sollte es werden,
unverbrüchlich hier auf Erden.

Gegensätzlichste Positionen – hinweg diplomatisiert,
bis jeder Satz den Inhalt und damit das Gesicht verliert
und offen bleibt für JEDE Interpretation.
Beendet war damit die kontroverse Diskussion.
Eine „positive“ Haltung hat man stets gepflegt,
die sich stählern und unerbittlich auf die Differenzen legt.

Handelnden Personen war natürlich klar:
Die Streitpunkte, sie waren noch immer da!
Doch politische Interessen 
ließen sie ihr Gewissen schnell vergessen.

So wurde der Vertrag geschlossen
und wurde damit in Stein gegossen:
Unauflösbare Verbrüderung
auf Basis der Vereinbarung!
Das freute auch die Bürger sehr,
denn den Vertrag fanden sie im Grunde fair.

So ging es hin, Jahr um Jahr,
bis die gute Zeit zu Ende war
und die Probleme sich erhoben,
die man zu Beginn hat weg geschoben.

Die Lösung war dann schnell gefunden,
der Vertrag wurde geschunden:
Was kümmert schon das Wort von gestern?
hörte man so manchen lästern ...
Flugs wurde dann das Gegenteil von dem gemacht,
was man zuvor als unverbrüchlich hat gedacht.

Staunend sahen die Bürger zu,
von der Politik ermahnt zur Ruh‘,
ihr Nachteil würde es schließlich nicht sein,
vielmehr sollten Sie sich nun über neue „Einigungen“ freu‘n!
Und das Gewissen der Politik?
Strategisch begründet brach man ihm‘s Genick!

Strahlend wurde der Vertrag gebrochen,
mal um mal, wann immer man ein Problem gerochen,
bis vom Vertrag nichts mehr zu brechen war,
denn er war ganz einfach nicht mehr da.

Der Gegensatz, den man zu Beginn verdeckt,
hatte sich nämlich im Motiv der Staaten gut versteckt:
Alle priesen zwar die Beistandspflicht,
doch diese Pflicht sahen sie stets nicht,
wenn es an ihnen war, den Beistand zu vergeben,
statt nur nach Beistand anderer zu streben.

Das wurde jedem Staat für sich nun offenbar,
Neid und Misstrauen war’n dann plötzlich da:
Brüderlichkeit - auf dem Papier geschrieben -
war schlicht auf diesem auch geblieben.

Aus der Freundschaft, die die Staaten einst verband,
die Missgunst nun entstand!
Die Zeche zahlen die Menschen nun in allen Staaten:
Nicht nur mit Geld, auch ihr Vertrauen wurd‘ verraten!
Und Schuld an dem Geschick
ist die allzu elastische Politik! 

© 2021 Joanna Watson Stein

Balance

So flüchtig wie ein Atemzug
Notwendig wie die Atemluft
Ihrem Wesen nach extrem fragil
Investieren die Menschen trotzdem viel
Zu finden die Balance im Leben
Ein täglich neues Streben
Denn die Balance - einmal gefunden
Ist im Augenblick darauf auch schon entschwunden
So leicht verschiebt sich das Gleichgewicht
Durch Momente – wie ein Blick ins Sonnenlicht
Auf einer Seite ein Gramm mehr – und schon
Die Lebenswaage ist nicht mehr in horizontaler Position
Viel Mühe braucht es nun erneut 
Bis man sich wieder an ihr freut
An der Balance, für einen Atemhauch – nur ganz kurz
Denn im nächsten lauert schon ihr Sturz
Man arbeitet sich an ihr ab wie Sisyphos 
Und lässt sie dennoch niemals los

© 2021 Joanna Watson Stein

Das Denken verstehen: Thinking, fast and Slow by Daniel Kahneman

„Äußerst interessant“ wäre hier sicher zu kurz gesprungen: Ein bahnbrechendes Buch! Der Buch-Titel ist im Grunde ein Understatement, denn es geht nicht nur um die Frage, warum bestimmte Denkprozesse schneller funktionieren als andere. Es geht vielmehr um eine Erklärung der Funktionsweise des Denkens an sich. Ja, es ist keine einfache Lektüre. Man sollte das Buch dennoch unbedingt in der Originalsprache lesen – die deutsche Übersetzung ist prinzipiell nicht schlecht, aber in den Feinheiten findet sich zuweilen doch ein leicht anderer Zungenschlag, was zu Lasten der Präzision geht.

Die Erklärung des Denkens in Thinking, Fast and Slow ist eine Offenbarung: Während der Lektüre hatte ich immer wieder das beglückende Gefühl, dass die historisch gewonnen Einzelerkenntnisse zur Frage des Denkens durch Daniel Kahneman in einer Weise (neu) zueinander in Beziehung

gesetzt und geordnet werden, dass sie wie von selbst an den ihnen zugedachten Platz fallen und ein großes Ganzes ergeben. Das Ergebnis ist eine klare – durch und durch logische – Erklärung, wie Denken funktioniert. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Daniel Kahneman im Jahr 2002 den Nobel-Preis erhielt. Verwunderlich ist lediglich, dass es sich um den Wirtschafts-Nobelpreis handelte, was sich aber dadurch erklärt, dass zum einen kein Nobel-Preis in Psychologie existiert und zum anderen Daniel Kahneman die Frage, wie Denk- und Entscheidungsprozesse funktionieren, anhand von wirtschaftlichen Sachverhalten, insbesondere des Konsumentenverhaltens, überprüfte. Nebenbei bemerkt, wäre es natürlich eine gute Gelegenheit gewesen, im Hinblick auf die Kahneman’sche Erklärung des Denkens einen Nobel-Preis in Psychologie ins Leben zu rufen.

Das Schöne ist, dass man als Leser selbst Mensch ist (oder jedenfalls in der überwiegenden Zahl der Fälle – ich habe keine Vorstellung, was die KI mittlerweile so alles kann), und somit am eigenen Beispiel überprüfen kann, ob die Erklärungen von David Kahneman zutreffend sind. Bewusst wähle ich hier das Wort „Erklärungen“ statt „Erklärungsversuche“, denn nach meiner persönlichen Überzeugung ist die in Thinking, Fast and Slow gegebene Erklärung mehr als eine Theorie, sie ist ein Faktum.

Kurz zusammengefasst: Was Einsteins Relativitätstheorie in der Physik ist, ist Kahnemans Erklärung des Denkens in der Psychologie!

© 2021 Joanna Watson Stein

Rezension auch auf LovelyBooks.de veröffentlicht:
https://www.lovelybooks.de/autor/Daniel-Kahneman/Thinking-Fast-and-Slow-716335334-w/rezension/2982476640/

Planlos

Die Erwartung der Gesellschaft ist,
dass ein Leben geradeaus verläuft
und nicht gehäuft
die Richtung neu vermisst.

Unzählige Möglichkeiten
aber die Schwierigkeit bereiten,
sich für die Richtung zu entscheiden
und bei der Richtung auch zu bleiben.
Das gilt für Beruf und für die Partnerwahl:
Die Wahl kommt immer mit der Qual
und mit der Angst, falsch auszuwählen
und sich hernach damit zu quälen.

Wohl dem, der über ein Talent verfügt,
das ihn erfüllt, das ihm genügt.
Da ist die Richtung vorgegeben: 
Ein klares gutes Leben.
Was aber, wenn man an Vielem interessiert?
Dinge, die nicht zueinander passen?
Sich nicht in eine Linie pressen lassen?
Man periodenweise anders präferiert?

Dann muss man sich zumeist erklären,
kann sich kritischer Fragen kaum erwehren,
wird gern als planlos hingestellt:
Jemand der Entscheidungen nicht fällt.
Aber vielleicht ist ein solcher Mensch,
der durch Facettenreichtum glänzt,
doch als bereichernd zu verstehen
und mit Interesse anzusehen?

Ein bisschen Toleranz wär‘ sicher gut!
„Planloses“ Leben braucht auch Mut
und persönlich fänd‘ ich’s wirklich schade,
jemand zu zwingen zur Fassade!

© 2021 Joanna Watson Stein

Gedanken zur Vergänglichkeit: Blue Nights by Joan Didion

Vor einiger Zeit besuchte ich einen Freund in einer anderen Stadt, hatte aber leider meine aktuelle Lektüre zu Hause vergessen. Eine Straße weiter gab es glücklicher Weise einen Second-Hand-Buchladen, der trotz Corona-Restriktionen geöffnet hatte und mehrere Kisten mit alten Taschenbüchern vor die Tür gestellt hatte. Da ich die Lektüre Englischer Bücher vorziehe, war die Auswahl entsprechend klein: Es gab die Option, einen schwülstigen Liebesroman à la Angélique zu erwerben oder Blue Nights von Joan Didion. Wenig überraschend entschied ich mich für Blue Nights.

Nun ist Joan Didion ja keine Unbekannte und natürlich war auch mir ihre Biographie in groben Zügen bekannt. Ich hatte mich aber bisher nicht näher für ihre Werke interessiert.

Blue Nights, das so unerwartet auf meiner Lese-Bildfläche erschienen war, änderte das grundlegend!

Nachdem ich das Buch beendet hatte, las ich diverse Rezensionen darüber. Eine meiner Marotten: erst das Buch lesen und dann die Rezensionen – nicht umgekehrt -, damit man bei der Lektüre unvoreingenommener ist. Zu meiner großen Verwunderung kamen sämtliche dieser Rezensionen zu dem Schluss, dass Joan Didion mit Blue Nights im Wesentlichen den tragischen Tod ihrer Tochter und den ihres Ehemanns verarbeitet.

Natürlich spielt der Verlust von Tochter und Ehemann eine große Rolle in Blue Nights. Wie sollte es auch anders sein, bei solch tiefgreifenden Ereignissen? Meinem Verständnis nach allerdings nicht deshalb, weil Joan Didion um deren Verarbeitung ringt, sondern vielmehr deshalb, weil der Tod von Tochter und Ehemann ihr Leben einschneidend veränderte und die Auseinandersetzung mit einer Reihe von Fragen initiierte, die gemeinhin gern aufgeschoben werden: Die Auseinandersetzung mit der EIGENEN Endlichkeit & Vergänglichkeit. Und darum geht es in Blue Nights.

Das Buch ist eine Auseinandersetzung mit den drei wesentlichen Fragen, die sich einem stellen, wenn das mittlere Lebensalter hinter einem liegt:

  • Wie akzeptiert man den Verlust physischer Kraft und wie geht man damit um?
  • Wie bewahrt man sich eine positive, nach vorn gerichtete Lebenseinstellung, wenn einem die Grenzen dessen, was im eigenen Leben noch möglich ist, bewusst werden?
  • Wie akzeptiert man, dass es im Leben nur um den Vorgang des Lebens selbst geht, dass man das Leben prinzipiell alleine lebt und dass andere Menschen – wie sehr man sie auch liebt oder sie einen zurück lieben – immer nur vorübergehende Weggefährten sein können?

Diese Fragen können von jedem Menschen nur ganz individuell beantwortet werden und auch Blue Nights bleibt die Antwort schuldig. Aber, wie bei vielen Dingen in diesem Leben, ist auch bei der Beantwortung dieser Fragen vor allem der Weg das Ziel.

Im Zuge der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit stellt Joan Didion immer wieder Rückblenden in ihre Vergangenheit an. Sie stellt ihr Leben als stark segmentiert dar; eine Aneinanderreihung von für sich selbst stehenden Lebensabschnitten mit jeweils ganz eigenen Wertsetzungen und Regeln, die zum Teil nur wenig miteinander zu tun haben. Als jemand, der grundsätzlich in Systemen denkt, sich in ihnen wohl fühlt und dem präzise Ordnung ein Bedürfnis ist, ist mir dies durchaus vertraut und keineswegs unsympathisch. Die eigentlich entscheidende Frage ist allerdings, was genau stellt die Klammer um all diese Lebensabschnitte dar? Abstrakt gesehen, ist es vermutlich die Essenz der eigenen Persönlichkeit, die mit bestimmten Präferenzen bestimmte (Lebens-)Entscheidungen trifft. Was diese Essenz der Persönlichkeit aber konkret ausmacht, ist eine der am schwierigsten zu beantwortenden Fragen. Es bedarf Mut, diese Frage zu stellen. Diesem Mut mangelt es Joan Didion nicht, und so berührt sie in Blue Nights diese Frage immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln, ohne allerdings die Antwort zu berühren. Eine Antwort zu erwarten wäre jedoch auch vermessen, denn wenn man eine so präzise Denkerin wie Joan Didion ist, immer bemüht um einen ganzheitlichen Gegencheck mit Intuition & Emotion, dann ist die Beantwortung dieser Frage eine Lebensaufgabe, die – wenn überhaupt – nur ganz am Ende des Lebens gelingen kann.

Das Buch stellt die Ordnung und die Einordnung offener Lebensfragen in den Vordergrund, nicht ihre Beantwortung. Die Art und Weise, in der Joan Didion dies angeht, ist genauso authentisch wie schonungslos und dennoch sensibel. Es ist erfrischend – und wie ich finde auch beruhigend – wenn jemand den Intellekt hat, die essentiellen Lebensfragen zu stellen und den Mut und die Stärke beweist, nicht die Augen vor den weniger schönen Fakten des Lebens zu verschließen. Joan Didion ist so jemand und ich bin ihr mehr als dankbar, dass sie uns mit Blue Nights daran teilhaben lässt.

Ein lesenswertes Buch!

© 2021 Joanna Watson Stein

Rezension auch auf LovelyBooks.de veröffentlicht:
https://www.lovelybooks.de/autor/Joan-Didion/Blue-Nights-696676024-w/rezension/2981812706/

Photograph by Julian Wasser / Netflix

Liebende

Ein Mann sieht eine Frau:
Er betrachtet sie sanft und doch genau,
es fliegen Schmetterlinge in seinem Bauch,
sie schaut auf: Da fliegen sie bei ihr auch!
Sie wollen nie mehr auseinander gehen,
alle Zukunft zusammen bestehen.

Ein liebendes Paar zu sehen,
rührt das Herz, lässt alle Bitterkeit vergehen,
weckt Hoffnung und Erinnerungen,
für den Moment ist aller Hass verklungen.

Ihr Liebenden, Euch wünsch’ ich jetzt,
dass niemand Euer Glück verletzt,
auch nicht Ihr selbst durch unbedachte Tat.
Erhaltet Euch Respekt, hört auf des ander’n Rat,
lasst Euch Freiheit und habt Vertrauen,
verlernt nie, Euch in die Aug’ zu schauen.
Bleibt Geliebte, werdet Freunde,
vergesst niemals Eure Träume
und mögen Euch verlassen nie
ZuFRIEDENheit und Harmonie!

© 2021 Joanna Watson Stein
Photo by Jasmine Carter on Pexels.com

Vegetarisch gescheitert

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Osterfeiertage – freie Zeit!
Herrlich ... wär‘ da nicht eine Kleinigkeit:
Familie und Freunde haben sich angesagt
und nach dem Ostermahl gefragt.

Ich mag sie alle wirklich sehr
und für sie kochen noch viel mehr,
mindestens 3 Gänge plant‘ ich in der Tat:
Raffiniert, gesund und delikat.

Um die Umwelt und das Tier zu schützen,
sagt die Familie würd‘ es nützen,
dem Fleisch den Rücken zuzukehren, 
sich also vegetarisch zu ernähren.
Die Harmonie sollte nicht leiden,
wollte Fleisch folglich vermeiden.
Vegetarisch und von hoher Qualität,
so wie es der Umweltschützer rät,
wollte ich das Ostermahl gestalten
und mich an alle Regeln halten.

Einschlägige Kochbücher verraten
Rezepte für den Veggie-Braten.
Und wo kommen die Ingredienzen her?
Aus dem Bioladen – das ist nicht schwer!

Yacon, Tofu und Seitan
Führten meine Einkaufsliste an.
Bulgur und Linsen kamen noch dazu
und Käse – von der Ziege, nicht von der Kuh.

Als ich dann aus dem Bioladen kam,
dacht‘ ich plötzlich an ein Osterlamm.
Nicht an sein Gemecker und Gezeter,
nein, ans Danach – viel später:
Zu meiner Schande stellt‘ ich mir vor,
wie zu Haus’ in meinem Rohr
goldbraun reift ein saft‘ger Braten ...
Der köstliche Geruch! Kann’s kaum erwarten!

Angekommen dann zu Haus‘,
löst der Tofu schmale Freude aus.
Stark zu bleiben, nahm ich mir dennoch vor.
Das Telefon bereits am Ohr,
um meiner Schwester stolz zu erklären,
dass wir uns jetzt ganz bewusst ernähren:
Ein Oster-Veggie-Braten sei geplant,
so wie sie es immer angemahnt!

Schweigen und Stille hielten sich die Waage.
Mit zaghaft dünner Stimme kam die Frage:
Müsse das denn wirklich sein?
Enttäuschung sickerte hinein.

Meine Tochter kam aus ihrem Zimmer raus
und fragte: Wie sieht das denn aus?
Den Tofu meinte sie dabei.
Ob das zu Ostern wirklich nötig sei?
Als auch meines Sohnes Blick dann Bände sprach,
meine Moral in Stücke brach.

Am Ende gab es Rinderbraten,
köstlich und perfekt geraten.
Alle speisten mit viel Genuss,
das Tischgespräch in regem Fluss.
Kontrovers ging‘s hin und her,
Einigkeit fiel sichtlich schwer.
Nur in einem Punkt kam man überein:
Maßvoll & fleischlos muss die Ernährung sein!

Ich gesteh‘, dass mich mein Gewissen plagt,
denn vegetarisch hab‘ ich total versagt!

© 2021 Joanna Watson Stein

Tausend und eine Nacht

Tausend und eine Nacht
Durchwacht
Übers Leben nachgedacht
Mich mit mir selbst verkracht
Später darüber gelacht
Und wieder Frieden gemacht
Dann getrieben von höherer Macht
Ganz, ganz sacht
An Dich gedacht
Mit einem Lächeln die Augen zu gemacht
Und mich ins Reich der Träume aufgemacht
Vom ersten Sonnenstrahl erwacht
Das Leben wieder neu entfacht
Und frischen Tee gemacht

© 2021 Joanna Watson Stein
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