Ein Tag im November

Es war die Farbe grau,
die abweisend und rau
und völlig ungeniert
diesen Novembertag regiert.

Regen, der unbarmherzig auf das Straßenpflaster fällt,
kein Sonnenstrahl, der diesen Tag erhellt.
Braune Halme, einst gehüllt in Blumengewänder,
säumen zerzaust das nasse Balkongeländer.

Auf der Suche nach Wärme und nach Licht
fällt ihr Blick in sein Gesicht.
Verzweifelt sieht sie dort mit aller Klarheit:
Eisige Kälte und Gleichgültigkeit sind in Wahrheit
das Einzige, das er ihr noch gibt,
weil er nicht sie, sondern nur sich selbst noch liebt.
Die Befürchtung wuchs in ihr schon lange,
raubte ihr das Selbstbewusstsein, machte sie bange,
raubte ihr den Schlaf und die Gelassenheit,
verbannte sie hinter ängstliche Betriebsamkeit.
Er hat sich von ihr abgewendet,
nun umfängt sie Grabesstille, die nicht endet.

Nichts Erbauliches, wohin der Blick auch schweift.
Tristesse ist’s, die ihr Herz ergreift:
Kalte, graue Hoffnungslosigkeit
in dieser stillen, verregneten Novemberzeit.

Die Zukunft birgt seit heute nichts als Leere.
Auf jedes Dunkel folgt ein Licht? Was aber, wenn dem nicht so wäre?
Und die Angst ergreift sie prompt:
Was, wenn nie wieder Licht und Frühling kommt?

© 2021 Joanna Watson Stein

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