Maastricht

Zusammen kamen ein paar Staaten,
über Kooperation sich zu beraten:
Ein Pakt sollte es werden,
unverbrüchlich hier auf Erden.

Gegensätzlichste Positionen – hinweg diplomatisiert,
bis jeder Satz den Inhalt und damit das Gesicht verliert
und offen bleibt für JEDE Interpretation.
Beendet war damit die kontroverse Diskussion.
Eine „positive“ Haltung hat man stets gepflegt,
die sich stählern und unerbittlich auf die Differenzen legt.

Handelnden Personen war natürlich klar:
Die Streitpunkte, sie waren noch immer da!
Doch politische Interessen 
ließen sie ihr Gewissen schnell vergessen.

So wurde der Vertrag geschlossen
und wurde damit in Stein gegossen:
Unauflösbare Verbrüderung
auf Basis der Vereinbarung!
Das freute auch die Bürger sehr,
denn den Vertrag fanden sie im Grunde fair.

So ging es hin, Jahr um Jahr,
bis die gute Zeit zu Ende war
und die Probleme sich erhoben,
die man zu Beginn hat weg geschoben.

Die Lösung war dann schnell gefunden,
der Vertrag wurde geschunden:
Was kümmert schon das Wort von gestern?
hörte man so manchen lästern ...
Flugs wurde dann das Gegenteil von dem gemacht,
was man zuvor als unverbrüchlich hat gedacht.

Staunend sahen die Bürger zu,
von der Politik ermahnt zur Ruh‘,
ihr Nachteil würde es schließlich nicht sein,
vielmehr sollten Sie sich nun über neue „Einigungen“ freu‘n!
Und das Gewissen der Politik?
Strategisch begründet brach man ihm‘s Genick!

Strahlend wurde der Vertrag gebrochen,
mal um mal, wann immer man ein Problem gerochen,
bis vom Vertrag nichts mehr zu brechen war,
denn er war ganz einfach nicht mehr da.

Der Gegensatz, den man zu Beginn verdeckt,
hatte sich nämlich im Motiv der Staaten gut versteckt:
Alle priesen zwar die Beistandspflicht,
doch diese Pflicht sahen sie stets nicht,
wenn es an ihnen war, den Beistand zu vergeben,
statt nur nach Beistand anderer zu streben.

Das wurde jedem Staat für sich nun offenbar,
Neid und Misstrauen war’n dann plötzlich da:
Brüderlichkeit - auf dem Papier geschrieben -
war schlicht auf diesem auch geblieben.

Aus der Freundschaft, die die Staaten einst verband,
die Missgunst nun entstand!
Die Zeche zahlen die Menschen nun in allen Staaten:
Nicht nur mit Geld, auch ihr Vertrauen wurd‘ verraten!
Und Schuld an dem Geschick
ist die allzu elastische Politik! 

© 2021 Joanna Watson Stein

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