Mitternacht

Wenn die Nacht am dunkelsten ist,
man sogar das Sternenlicht vermisst
und alle Menschen tief und friedlich schlafen,
sich manchmal die geheimsten Träume mit mir trafen.
Schmeichlerisch galant luden sie mich ein,
Teil ihrer undurchschaubaren Welt zu sein.

Spürte zwar ein leichtes Unbehagen,
wollte es aber dennoch wagen, 
diese merkwürdige Sphäre zu erkunden.
Anfängliche Vorbehalte waren schnell verschwunden.
Verführerisch, unwiderstehlich
zugleich vielleicht nicht ungefährlich.

Zauberwelt

Frühmorgendliche Kühle,
die ich bis in die Zehenspitzen fühle.
Der Himmel mit Wolken tief verhangen,
das milchige Licht kann kaum hindurch gelangen.

Ein ruhiger schilfig grüner See
umsäumt von üppigem Naturbouquet,
feucht und schwer vom Tau der Nacht.
Ein Hauch von Mystik, der zur Morgendämmerung erwacht.

Die Hinterbliebene

Schwarze Schrift auf harmlosem Papier
brachte bleischwere Worte hin zu ihr.
Bewegend und liebevoll gewählt,
hatten sie von einem Abschied ihr erzählt.
Ein Abschied mit Endgültigkeit,
unfreiwillig auf und in die Ewigkeit.
Überraschend kamen diese Worte nicht;
zutiefst berührend, aber dunkler als das Schwarz der Schrift.

Banale Tage

Ein ganz normaler Tag begann
Ging ihn ohne jegliche Erwartung an
Unbestimmter Gleichmut,
der schlicht und freundlich in mir ruht

An diesem Tag, der weder Drama noch besonderen Glanz versprach,
ging ich pflichtbewusst der täglichen Routine nach
So friedlich und so unspektakulär
Mit Raum für schweifende Gedanken nebenher

Als jemand beiläufig die Bemerkung machte,
die unverhofft ein Feuer in der Fantasie entfachte:
Die Gedanken explodierten,
zauberten Bilder, die sich gegenseitig inspirierten!

Das Delta

Wir sehen beide auf das Meer.
Du sagst, Du magst das Blau so sehr.
Ja – unvergleichlich schön ist dieses Blau!
Doch was siehst Du ganz genau?
Wie sieht „Blau“ mit Deinen Augen aus?
Welche Assoziation entsteht für Dich daraus?
Niemals werde ich erfahren,
ob unsere Wahrnehmungen identisch waren.
Niemals werde ich mit Deinen Augen sehen,
Dich niemals 100% verstehen.
Immer wird dies kleine Delta existieren,
über dessen wahres Ausmaß wir stetig spekulieren.

Wenn …

Wenn heute gestern und zugleich morgen ist,
wenn im Chaos man die Ordnung nicht vermisst,
wenn alles gar nichts zählt,
wenn einem dennoch gar nichts fehlt,
wenn man Schweres mit Leichtigkeit besiegt,
wenn der Hauch eines Gefühls dagegen sehr schwer wiegt,
wenn die Angst zu scheitern sich im Tatendrang verliert, 
wenn jeder Gedanke schon den nächsten inspiriert,
wenn man gar nichts sucht und alles findet,
wenn im tristen Grau dennoch die Tristesse verschwindet,

Die Seiltänzerin

Die Bodenhaftung früh verloren,
hat sie ein Drahtseil zwischen sich und ihren Träumen aufgespannt,
auf dem sie sehr graziös ihr Leben tanzt.
Als Lebensakrobat ist sie geboren!

Ihr Leben – ein virtuoser Drahtseilakt:
Stets plant sie minutiös, um dann tollkühn zu entscheiden:
Jeder Schritt das Abenteuer, in der Balance zu bleiben,
und ein Sieg über die Angst, die sie vor dem Abgrund hat.

Manche Nächte

Alles in Ordnung in diesen Tagen,
kann mich wirklich nicht beklagen.
Doch in manchen Nächten grau und kalt
öffnet sich ein Spalt,
durch den tröpfelt Erinnerung ganz sacht:
Kleine gold‘ne Tropfen aus Wärme und aus Liebe zu dieser Welt gemacht,
die sich zu einem tiefen See des Glückes formen.
Das Gefühl, man ist mit Gewissheit angekommen:
Eins mit sich selbst und frei von Sorgen,
frei von dem Streben nach einem besseren Morgen.
Dieses Gefühl so unbeschreiblich wunderbar

Grund 101

Hundert Gründe kann ich Dir nennen,
warum es besser wäre, sich zu trennen:
Du möchtest mit mir zusammen leben,
ich will die Freiheit nicht aufgeben.
Du magst gern in mitten vieler Leute sein,
ich bin am liebsten ganz allein.
Kunst und Design hat Dich nur am Rande interessiert,
für mich ist es von elementarem Wert.
Dafür fasziniert Dich die Vergangenheit,
für mich ist sie höchstens eine Nebensächlichkeit.