Die Hinterbliebene

Schwarze Schrift auf harmlosem Papier
brachte bleischwere Worte hin zu ihr.
Bewegend und liebevoll gewählt,
hatten sie von einem Abschied ihr erzählt.
Ein Abschied mit Endgültigkeit,
unfreiwillig auf und in die Ewigkeit.
Überraschend kamen diese Worte nicht;
zutiefst berührend, aber dunkler als das Schwarz der Schrift.

Sie hob den Kopf – langsam – unendlich schwer vor Traurigkeit.
Ihr Verstand verweigerte die Neuigkeit. 
Der Boden ihres Lebens brach;
sie stürzte haltlos in die Tiefe, die im Nirgendwo der Seele lag.
Ihr Blick blicklos nur der Leere galt,
denn auch er fand nirgends einen Halt.
Grabesstille – nur das Ticken einer Uhr,
zu traurig, um zu weinen – von Tränen keine Spur.

Als ihr Blick den Fokus wieder fand,
sah sie den Blumenstrauß, der auf ihrem Schreibtisch stand.
In allen Frühlingsfarben strahlend stand er da!
Dann legten sich – kaum wahrnehmbar –
sein Hauch von Leichtigkeit und seine Pracht
ganz, ganz sanft und sacht 
und nur für einen winzigen Moment 
wie Balsam über ihren Schmerz, der keine Grenzen kennt.
Doch dieser Moment der Linderung
blieb ihr für immer in Erinnerung
als erste klitzekleine Wahrnehmung
einer gänzlich neuen Zeitrechnung.

© Joanna W. Stein

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Banale Tage

Ein ganz normaler Tag begann
Ging ihn ohne jegliche Erwartung an
Unbestimmter Gleichmut, 
der schlicht und freundlich in mir ruht

An diesem Tag, der weder Drama noch besonderen Glanz versprach,
ging ich pflichtbewusst der täglichen Routine nach 
So friedlich und so unspektakulär
Mit Raum für schweifende Gedanken nebenher

Als jemand beiläufig die Bemerkung machte,
die unverhofft ein Feuer in der Fantasie entfachte:
Die Gedanken explodierten,
zauberten Bilder, die sich gegenseitig inspirierten!

Im Handumdreh‘n entfaltet sich eine gänzlich neue Welt,
die mich ganz und gar in Atem hält:
Charaktere formen sich – Zusammenhänge entstehen
Kann die dramatischen Ereignisse dieser fiktionalen Welt schon sehen

Was manch‘ anderer Tag zuvor verwehrt,
hat mir dieser ganz banale Tag beschert:
Bin so begeistert, wie verwundert und beglückt,
denn eine funkelnde Geschichte hat das Licht der Welt erblickt!

© Joanna Watson Stein

Perfekt

Photo by Charles Parker on Pexels.com

Bin heute wieder angeeckt.
Während der Besprechung zum aktuellen Buchprojekt
hab‘ ich im Meeting-Raum ein Makel am Design entdeckt:
Bei einem Stück der Fußleiste hinten ganz im Eck
war die Montage nicht korrekt.
Der Übergang von Wand und Boden war nicht richtig abgedeckt,
so dass ein dunkler schiefer Spalt entstand, der mein Missfallen geweckt.
Gegen meinen Willen fanden meine Augen ganz direkt
immer wieder diesen Pfusch als Zielobjekt.
Konnte mich nicht konzentrieren, solange dieser Makel die Perfektion des Raums befleckt.
Warum bemerkte niemand außer mir diesen störenden Aspekt?
So viel dumpfe Anspruchslosigkeit ist mir suspekt!
Mein kleines Multitool hatte ich wie immer eingesteckt
und im Affekt
reparierte ich ganz nebenbei den unschönen Defekt.
Erstauntes Schweigen hat sich über den gesamten Raum erstreckt
und man erklärte freundlich und mit gebührendem Respekt, 
solcherlei Aktionen hätten doch befremdlichen Effekt.
Blicke sprachen Bände – hätte mich gern in einem Mauseloch versteckt.
Bin möglicherweise ein exzentrisches Subjekt,
doch für innere Ruhe und Balance brauch‘ ich‘s äußerlich perfekt!

© 2022 Joanna Watson Stein

Das Delta

Wir sehen beide auf das Meer.
Du sagst, Du magst das Blau so sehr.
Ja – unvergleichlich schön ist dieses Blau!
Doch was siehst Du ganz genau?
Wie sieht „Blau“ mit Deinen Augen aus?
Welche Assoziation entsteht für Dich daraus?
Niemals werde ich erfahren,
ob unsere Wahrnehmungen identisch waren.
Niemals werde ich mit Deinen Augen sehen,
Dich niemals 100% verstehen.
Immer wird dies kleine Delta existieren,
über dessen wahres Ausmaß wir stetig spekulieren.

Wenn ich in den Spiegel sehe,
egal, wie ich mich drehe,
bleibt’s doch ein Spiegelbild, das dort entsteht.
Nur andere sehen die Realität,
hingegen kann ich mich selber niemals wirklich sehen.
Ein feiner Zweifel mag da leicht entstehen,
ob und wie das Spiegelbild vielleicht
von der Wirklichkeit abweicht
und ob der Eindruck der real entsteht,
mit meinem Selbstbild noch zusammen geht?
Auch dieses Delta ist schwer einzuschätzen,
kann ihm nur mein Selbstvertrauen entgegensetzen.

Das Delta zwischen unseren Wahrnehmungen
und seine genauen Ausprägungen
würde ich nur allzu gern ergründen
und mich mit dieser Unbekannten zwischen uns verbünden.
Doch Wahrnehmungsfusion ist reine Illusion:
Das Delta bleibt immer ein Mysterium!
Es lässt sich nur eine Brücke d’rüber bauen,
vorausgesetzt man hat Vertrauen …
… und möglicherweise ist es gerade dieses Delta – dieser Unterschied,
der bewirkt, dass man sich ganz besonders liebt?

© 2022 Joanna Watson Stein

Eigensinn

Ich hörte manche Leute sagen,
sie sei einfach nur
renitent und stur.
Wie konnten sie es wagen,
sich dieses Urteil anzumaßen?
Sie war’s, die sich die Mühe machte
und unerschrocken selbst nachdachte!
Ein Umstand, den sie gern vergaßen.

Sie teilte die Meinung anderer dann,
wenn sie die Fakten nachgeprüft,
gedanklich sich hinein vertieft
und zu ähnlichem Ergebnis kam.
Allein, dies schien nicht allzu oft der Fall,
denn viele Meinungen basierten
statt auf Fakten auf gemeinhin akzeptierten
postfaktischen Ideen mit zeitgeistig gedoppelter Moral.

Sie sei sozial nicht kompatibel,
sei eigensinnig und verbohrt
und wische unbelehrbar jeglichen Konsens hinfort.
Doch tatsächlich ist sie intellektuell extrem flexibel:
Unvoreingenommen zieht’s sie stets zur Wahrheit hin 
und im Gegensatz zu vielen ander‘n
ist ihr kein Weg zu steinig, zu ihr hin zu wandern.
Respekt gebührt dem veritablen eig‘nen Sinn!

© Joanna W. Stein

Wenn …

Wenn heute gestern und zugleich morgen ist,
wenn im Chaos man die Ordnung nicht vermisst,
wenn alles gar nichts zählt,
wenn einem dennoch gar nichts fehlt,
wenn man Schweres mit Leichtigkeit besiegt,
wenn der Hauch eines Gefühls dagegen sehr schwer wiegt,
wenn die Angst zu scheitern sich im Tatendrang verliert, 
wenn jeder Gedanke schon den nächsten inspiriert,
wenn man gar nichts sucht und alles findet,
wenn im tristen Grau dennoch die Tristesse verschwindet,
wenn kein Kompromiss die eig‘nen Werte trübt,
wenn zielloses Treiben zu wegweisender Erkenntnis führt,
wenn man sich um die Wahrheit nicht betrügt,
wenn man sich selbst trotz seiner Unzulänglichkeit genügt,
wenn in Ungewissheit aller Zweifel schwindet,
wenn man die Leere auch erfüllend findet,
wenn man sich in Zweisamkeit nicht selbst aufgibt, 
wenn man allein ist und das als Einsamkeit nicht sieht,
wenn im Schweigen keine Stille liegt,
wenn die Fantasie tagtäglich neue Flügel kriegt, 
wenn man Fakten akzeptiert und dabei das Lächeln nie vergisst,
dann kann es sein, dass man am Ziel der Träume ist!

© 2022 Joanna Watson Stein

Die Seiltänzerin

Die Bodenhaftung früh verloren, 
hat sie ein Drahtseil zwischen sich und ihren Träumen aufgespannt,
auf dem sie sehr graziös ihr Leben tanzt.
Als Lebensakrobat ist sie geboren!

Ihr Leben – ein virtuoser Drahtseilakt:
Stets plant sie minutiös, um dann tollkühn zu entscheiden:
Jeder Schritt das Abenteuer, in der Balance zu bleiben,
und ein Sieg über die Angst, die sie vor dem Abgrund hat.

Das Risiko ist immer nah – sie jedoch bleibt unnahbar
und von ihren Träumen ganz und gar erfüllt.
Nicht immer ist ihr Seil in Sonnenlicht gehüllt,
doch der Ausblick ist stets wunderbar!

Geschmeidig ist ihr Seiltanz,
anmutig hält sie die Balance.
Hoch auf dem Seil im Sonnenglanz 
wägt sie stetig Risiko und strahlend helle Chance.

Dann geht sie einen neuen Schritt:
Keinen Blick wirft sie zurück.
Einmal mehr scheint ihr ein Schritt geglückt,
der ihr grandiose neue Perspektiven gibt!

© 2022 Joanna Watson Stein

Photo by Marcelo Moreira on Pexels.com

Manche Nächte

Alles in Ordnung in diesen Tagen,
kann mich wirklich nicht beklagen.
Doch in manchen Nächten grau und kalt
öffnet sich ein Spalt,
durch den tröpfelt Erinnerung ganz sacht:
Kleine gold‘ne Tropfen aus Wärme und aus Liebe zu dieser Welt gemacht,
die sich zu einem tiefen See des Glückes formen.
Das Gefühl, man ist mit Gewissheit angekommen:
Eins mit sich selbst und frei von Sorgen,
frei von dem Streben nach einem besseren Morgen.
Dieses Gefühl so unbeschreiblich wunderbar
tatsächlich schon lang nicht mehr vorhanden war.
Dann erfasst ein Tsunami der Erinnerung das Herz,
das sich zusammen krampft vor Schmerz
über den Verlust dessen, das irgendwie entglitten ist:
Das Glück, das einen wunschlos lächeln lässt,
nach dem ich tief im Innern mich verzehre,
und das zugleich erinnert an eine Leere,
die den Alltag seit Langem unbemerkt erfüllt:
Vergangenes Glück in aktuelle Wehmut eingehüllt.
In solchen Nächten gibt es nichts, was Glück von Tränen trennt.
In solchen Nächten gibt es nur das, was man die tiefste Sehnsucht nennt.

© 2022 Joanna Watson Stein

Grund 101

Hundert Gründe kann ich Dir nennen,
warum es besser wäre, sich zu trennen:
Du möchtest mit mir zusammen leben,
ich will die Freiheit nicht aufgeben.
Du magst gern in mitten vieler Leute sein,
ich bin am liebsten ganz allein. 
Kunst und Design hat Dich nur am Rande interessiert,
für mich ist es von elementarem Wert.
Dafür fasziniert Dich die Vergangenheit,
für mich ist sie höchstens eine Nebensächlichkeit.
Ich brauche Genauigkeit und Präzision,
Dir reicht das Ungefähre schon.
Du setzt auf die Kraft der Globuli,
für mich ist das nichts als Scharlatanerie.
Und doch – trotz alle dem –
ist da noch ein hundert erster Grund zu sehen,
der schließlich immer ausschlaggebend war:
Wir sind uns schlicht so unvergleichlich nah,
können uns bis in die Seele schauen
und zusammen die unglaublichsten Luftschlösser bauen!
Grund 101 war immer Grund genug bei Dir zu bleiben 
und ließ uns ganz behutsam zur Unzertrennlichkeit hin treiben!

© 2022 Joanna Watson Stein

Kinder an die Macht: Es ist geschafft!

In den 80ern hatte ein wohlmeinender Musiker diese Option als Lösung aller Weltprobleme in den Raum gestellt. Unter Nutzung einer gewissen künstlerischen Überzeichnung und im Dienste eines provokanten musikalischen Gegenentwurfs, versteht sich. 

Doch das Körnchen Wahrheit wurde offensichtlich zu wörtlich genommen und als ultimatives politisches Konzept verstanden – vor allem von den Kindern in den 80ern. Es setzte sich offensichtlich hartnäckig in den Köpfen eben jener Kinder fest. Und nun haben sie es endlich geschafft: Die Kinder von damals sind jetzt tatsächlich an der Macht! Gratulation! 

Der jahrzehntelange Kampf um die Macht erforderte einiges an Geschick und Durchhaltevermögen und es ist nur Recht und billig, dass diese Anstrengungen irgendwann belohnt werden. Durchhaltevermögen bedurfte es sicher insbesondere im Hinblick auf die Bewahrung der kindlichen Naivität – und das allein ist ja schon eine beachtliche Leistung, denn normalerweise sammelt man mit zunehmendem Alter Erfahrungen an, die diese kindliche Naivität einem gesunden Realismus weichen lassen. Im besten Fall macht die Naivität sogar der Weisheit Platz. So oder so, es bedarf sicherlich einer erheblichen Anstrengung, trotz aller Lebenserfahrung an einer naiven Lebenshaltung festzuhalten. Hut ab! Die Kinder von damals haben es geschafft.

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In den 80ern wurden mit der Rettung des Käfers Karl erste Erfolge errungen, heute werden ganze Bauprojekte von bundesweiter – ja sogar europaweiter – Bedeutung mit Blick auf die Nachfahren von Karl dem Käfer jahrzehntelang lahm gelegt oder sogar gänzlich verhindert.

Diese konsistente Lebenshaltung zeigt sich auch bei den pazifistischen Ansätzen: Gestern noch gegen die Stationierung von Pershing-Abwehrraketen demonstriert, und heute im Lichte einer Neuauflage des kalten Krieges konsequent auf etwaige Waffenlieferungen an osteuropäische Staaten verzichtet. Freilich möchte man dennoch Haltung zeigen und beweisen, dass man die Situation alles andere als auf die leichte Schulter nimmt. Und so stellt man jenen osteuropäischen Staaten in einem Akt von unbürokratischer Solidarität kurzer Hand 5000 Helme zur Unterstützung der Landesverteidigung zur Verfügung. Wer das als lächerlich bezeichnet, hat die tiefere konzeptionelle Komponente übersehen: Es handelt sich hier um Solidarität, so wie sie vor dem Hintergrund der kindlichen Naivität interpretiert wird. Die Kinder sind jetzt – wie in den 80ern eingefordert – endlich an der Macht: Spontan, naiv, wohlmeinend!

Etwa vergleichbar mit der Situation, dass ein 4-jähriger Knirps seinem halbwüchsigen Bruder einen Lolli schenkt, als er ihn von einer Gruppe älterer und deutlich größerer Nachbarjungen brutal zusammengeschlagen, schwer verletzt und kaum noch bei Bewusstsein am Boden liegend findet. Eine rührende Geste! Von ehrlicher, liebevoller Sorge und Solidarität getragen, keine Frage! Aber wird der Lolli den Bruder davor bewahren, an inneren Blutungen zu sterben? Gut gemeint ist eben noch lange nicht gut gemacht.

In den Kreisen der nunmehr an die Macht gekommenen wohlmeinenden Kinder scheint man sich allerdings mit „gut gemeint“ zu begnügen: Man setzt auf Symbolpolitik statt auf Inhalt. Man setzt Zeichen statt sich um die reale Lösung der Probleme zu kümmern. Lichterketten, Gedenkveranstaltungen und Sprachsymbolik haben Hochkonjunktur. Und nun auch die Helmindustrie.

Man hat sich entschieden, alle Energien und Ressourcen auf die äußere Form der Darstellung zu verwenden, statt sich um den realen Nutzen, den materiellen Inhalt und vor allem um die Konsequenzen etwaiger Maßnahmen zu kümmern. Aber Letzteres würde natürlich auch dem kindlich naiven Ansatz widersprechen. Es bräuchte dann nämlich Weitblick statt Spontanität und realistische Einschätzungen – die gegebenenfalls zu unangenehmen Erkenntnissen führen – statt Naivität. Zweifellos ist es zu begrüßen, wenn Entscheidungen von wohlmeinenden Gemütern getroffen werden, ich persönlich würde mich jedoch dennoch deutlich wohler fühlen, wenn sie in erster Linie von fundierten Kenntnissen der jeweils zur Entscheidung stehenden Thematik getragen wären. Aber – wie gesagt – das sieht man bei den Kindern an der Macht eben anders: „form over substance“! Deshalb suchen sie nun auch ihr (und unser aller) Heil in der Bestellung eines Parlamentspoeten. Ein Hoch auf die Lyrik! Und ich bin sicherlich die Letzte, die das nicht ernst meinen würde.

Nun ist das Parlament allerdings die Legislative unseres Staates und nicht das Kammertheater. Das heißt, es werden dort Gesetze beschlossen und keine Komödien aufgeführt. Zumindest sollte es so sein, aber ich gebe zu, die Grenzen sind fließend. Welches Signal sendet also die Bestellung eines Parlamentspoeten? Auf jeden Fall ein antizyklisches Signal! Den Kindern an der Macht scheint es gelungen zu sein, sich neben ihrer kindlichen Naivität auch ihren kindlichen Trotz bewahrt zu haben. Während weltweit eine klare Tendenz bei der Gesetzgebung zu einem „substance over form“-Ansatz geht, scheinen die Kinder an der Macht trotzig in die entgegengesetzte Richtung schreiten zu wollen und mit Hilfe des Parlamentspoeten die Gesetze künftig „form over substance“-mäßig, lyrisch ansprechend gestalten zu wollen. Der deutsche Sonderweg eben. Wie immer. Aber vielleicht wurde dieser Ansatz ja auch zuvor – von der Öffentlichkeit unbemerkt – mit den Europäischen Partnern abgestimmt? Wer weiß!

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Ja, auch ich habe damals voller Überzeugung gegen die Stationierung der Pershings demonstriert und stehe weiterhin dem Lager der Pazifisten nahe. Und auch Karl der Käfer hat mir damals mehr als einmal die Tränen in die Augen getrieben. Allerdings ist es mir nicht gelungen, über die Jahre meine kindliche Naivität zu bewahren, vielleicht schon eher den Trotz. Dafür habe ich aber gelernt, den meisten Situationen auch etwas Positives abzugewinnen. Und so freue ich mich schon auf die kalten, stürmischen Winterabende, an denen ich mich in mein wohlig warmes, durch eine Wärmepumpe beheiztes Arbeitszimmer zurückziehen werde und in der Gesetzeslyrik der Kinder an der Macht schmökern kann. Den Wermutstropfen, dass die Wärmepumpe zu jenem Zeitpunkt wahrscheinlich mit dem zugekauftem Strom aus den französischen Atomkraftwerken betrieben werden wird, werde ich notfalls mit einem Glas Rotwein betäuben.

© 2022 Joanna Watson Stein