Chaos

Eben noch ein ganz normales Leben
Alles in Ordnung – Anzeichen hat es nicht gegeben
Dann ein einziges Wort an richtiger Stelle
Und in Sekundenschnelle
War nichts mehr, wie es war
Ein neues Lebensgefühl war da
Zunächst noch klein doch schon bedeutend
Wuchs es täglich an, täglich mehr Raum erbeutend
Rückzug aus bekanntem Gebiet
Alle Energie zum Neuen hinzieht
Anmutiges Lebensfeuer verbrennt alte Gewohnheiten
Und zudem verschiedene andere Kleinigkeiten

Die Idee

Ganz überraschend traf ich sie ungefragt
Gegenüber mitten im Supermarkt
Hatt’ sie schon länger nicht mehr geseh’n
Dachte, sie würd’ mir aus dem Wege geh’n
Die Wochen vom Alltag aufgefressen
Hatte ich sie schon fast vergessen
Und nun steh’ ich hier vor’m Kühlregal
Treffe zwischen Jogurt und Vollmilch meine Wahl
Da tippt sie mich plötzlich von Hinten an
Ob man sich nicht mal wieder treffen kann?
Hocherfreut lad’ ich sie ein zum Tee
Und sie kommt zu mir – die unerwartete Idee!

6 Uhr 30

Heut morgen früh um 6 Uhr dreißig schon
Zerriss ein kreischend penetranter Ton
Den kleinen Frieden, den die Nacht mir zugestand
Nachdem ich Schlaf erst in den frühen Morgenstunden fand

Die Augen zu öffnen scheint unglaublich schwer
Wenn ich nur nicht so müde wär’!
Unmöglich scheint es aufzustehen
Um all’ den Pflichten nach zu gehen
Die eine nach der ander’n mein Bewusstsein jetzt erreicht 
Je mehr das bisschen Schlaf dem morgentlichen Leben weicht

Mit einer Marzipandecke aus freundlichem Gleichmut durch die Jahrzehnte Hamburgs – eine Trilogie von Carmen Korn

Kann man lesen, muss man aber nicht. Eine Trilogie, die sich um die Irrungen und Wirrungen eines Familien- und Freundeskreises in Hamburg dreht, mit einer Schicht von unverbrüchlich heiler Welt, die sich wie die Marzipandecke einer Torte über die gesamte Handlung legt.
Akzeptable Urlaubslektüre.Besonders, wenn es sich um einen Urlaub mit der Familie handelt, denn die Trilogie hinterlässt einen Hauch des irrigen Gefühls, dass alle Differenzen in der Familie doch eigentlich unbedeutend sind. Das kann ja bei einem Familienurlaub ganz hilfreich sein!

Vergangenheit

Bin zurückgekehrt an jenen Ort
An dem ich aufgewachsen bin
Kenne jeden Baum und jedes Sandkorn dort
Tausend Erinnerungen in meinem Sinn

Aber tatsächlich kenn’ ich hier
Absolut nichts und niemand mehr
Zwar sieht vieles noch so aus wie früher
Doch dieser Schein trügt sehr

Ganz andere Menschen, die hier jetzt leben
Dort, wo früher Wiesen waren, wurde viel gebaut
Die einstige Idylle wurde zwar nicht aufgegeben
Immer noch schön, doch gar nicht mehr vertraut

Sonnenaufgang

Sonnenstrahlen: Golden, gelb und schwer
Kriechen durch das Fenster zu ihr her
Erfassen langsam nach und nach
Den Tisch, den Stuhl, das ganze Gemach
Unentschlossen steht sie in der Tür
Ist sie wirklich gut genug dafür?
Einzutauchen in diesen Glanz?
Teilzunehmen an der Sonnenstrahlen Tanz?
Oder kommt der Rückzug in den Schatten
Ihren Unzulänglichkeiten eher zu statten?

Malik (Bequemlichkeit II)

Malik ist ein Egoist
Der aus Bequemlichkeit nicht denkt, nicht liebt, nicht liest

Als die Leere ihm aus der Seele troff’
Und er weiter verbot’nen Fusel soff‘
Wünschte er sich heimlich `ne Kalaschnikow

Seine angetrunk’nen Kumpel waren auch dabei
Gemeinsam brüllten sie, dass kämpfen doch das Größte sei
So ging der Abend dann vorbei
Was blieb war leeres Einerlei …