Winterwunsch

Hätt‘ ich einen Wunsch jetzt frei
Wünscht‘ ich dieses mir herbei:
An einem abgeleg’nen Strand im Morgengrauen
Dem Sonnenaufgang zuzuschauen
In Ruhe dabei zu lauschen
Dem sanften Meeresrauschen
Hinein zu gleiten ins türkisene Meer
Kühl, klar und rein rings umher
Dann erfrischt dem Meer entstiegen
Eine Weile noch am Strand zu liegen
Sich auf das Glück zu leben zu besinnen
Um dann den Tag mit Frühstück zu beginnen

Licht

Auf Rampen kann man ihm nicht entgehen
In Tunneln kann man es nur am Ende sehen
Es nimmt täglich mit der Sonne seinen Lauf
Und manchmal geht es auch jemandem auf

Von sanft über schillernd bis grell
Kennt es alle Facetten von hell
Besiegt die Nacht verlässlich jeden Morgen
Und trägt den Regenbogen in sich verborgen

Advent

Advent, Advent ein Lichtlein brennt
Besinnlichkeit und Nächstenliebe
Sei dem Advent doch immanent
So dachte ich naiver Weise – Kerzenschein und Friede

Doch weit gefehlt: Statt Besinnlichkeit
Macht sich der Weihnachtsterror breit
Vom Ehrgeiz gestählte Gesichter
Wer verschenkt die schönsten Lichter?
Wer hat am meisten selbst gemacht?
Wer hat sich besonders nette Dinge ausgedacht?
Noch ein Kalender für den Lehrer, wär‘ das nicht fein?
Und noch eine Gabe für den Trainer im Verein
Noch ein Päckchen für die „Hilfe in Timbuktistan“
Und ein Kränzlein für die Hort-Erzieher fertigen wir auch noch an

Gastnehmer

Eine Einladung von Freunden – sie ließen eine Feier steigen
In ihrem schönen Haus am See
Gern könnt‘ ich das ganze Wochenende bleiben
Könnt‘ die Ruhe dort genießen bis ich wieder geh’

Kaum angekommen, kam jedoch die Frage
Ob ich bei der Vorbereitung helfen kann
Versteht sich, dass ich da nicht Nein zu sagen wage
Und so fing ich mit dem Zubereiten der Salate an

Dabei lenkte der Gastgeber bald die Konversation
Auf meine handwerklichen Fähigkeiten
„Es gäb’ gar keinen Schreiner in der Region …“
Prompt machte ich diverse Reparaturarbeiten

Freigeist

Dieser außerordentliche Gefährte
Setzt grundsätzlich seine eigenen Werte
Denkprozesse stets Ergebnis offen
Hört er nicht auf, auf neue Einsichten zu hoffen
Engstirnigkeit verabscheut er ganz generell
Ist Von Natur aus unkonventionell

Dogmen und gesellschaftliche Zwänge
Treiben ihn beständig in die Enge
Intellektuell ist er zu anspruchsvoll
Für gesellschaftliches Einheitsprotokoll
Vorurteile sind ihm vollkommen fremd
Sie stehen im Weg, wo es ihn zu freiheitlichem Denken drängt
Doch sollte man auch etwas anderes nicht verschweigen
Freier Geist mag sich herkömmlicher Moral nicht immer beugen

Verloren

Ihr ganzer Körper ist erfüllt von Schmerz
Eingemauert ist die Seele, ist das Herz
Ihr ist kalt, eiskalt
Durch einen kleinen Mauerspalt
Sieht sie die anderen Menschen lachen, weinen
Lieben, leben und sich vereinen
Sie haben ihre Trauer wohl erkannt
Und reichen ihr die Hand
Doch sie schafft es nicht, sie zu ergreifen
Die Mauern um das Herz sind nicht zu schleifen

The Circle by Dave Eggers: Beklemmende Pflichtlektüre

2013 erschienen und heute aktueller denn je! Ein Buch, das weniger durch die Sprache als durch seinen Inhalt glänzt und das man keinesfalls an einem grauen Novembertag lesen sollte oder falls man Gefahr läuft, sich einer depressiven Episode zu nähren! Es hinterlässt den Leser mit einem beklemmenden Ausblick auf die Zukunft, insbesondere die Realisten unter uns. Dennoch eine absolute Pflichtlektüre, damit niemand sich später herausreden kann, er sei nicht gewarnt worden.

Reset

Kann es selbst kaum fassen
Hab’ mich entschieden
Dich hinter mir zu lassen
Um meinen Zwiespalt zu befrieden

Warst so tief und weit in mir verwoben
Wenn man Deine Fasern extrahiert
Geht mir jegliche Struktur verloren
Purer reiner Tisch, auf dem die Leere dominiert

Es beginnt ein neues Leben
Jedes Detail ist neu zu definieren
Erinnerung kann keinen Maßstab geben
Muss alles neu erkennen und neu einsortieren

Zeitgeist

An einem Nachmittag in diesem Jahr
Schien es mir, dass ich ihn in der Ferne sah
Seine Kontur war allerdings verschwommen
Gleichwohl verlockend, ihm ein wenig näher zu kommen
Seine ungefähre Position war von meinem Standpunkt aus zu sehen
So nahm ich mir die Freiheit, einen Schritt in seine Richtung hin zu gehen
Er ist kaum zu fassen doch überall präsent
Jedermann behauptet, dass er den Zeitgeist kennt
Und dass dieser mit seiner wegweisenden Eigenart
Verschmolzen ist mit unserer Gegenwart
Was dies für die Beziehung zwischen Gegenwart und Zeitgeist heißt,
Ob er sich von ihr ernährt oder sie im Gegenteil speist
Darüber lässt sich lange spekulieren
Jedenfalls versucht er stets, die Gegenwart mit Stil neu zu verführen

Un-Ruhe Geist

Un-Ruhe Geist – das unbekannte Wesen?
Nein, unbekannt ist er mir nicht gewesen
Undefiniert dagegen ist er allerdings
Hält sich alle Türen offen rechts und links
Grenzt sich geschickt nur negativ und knapp
Von Zufriedenheit und Ruhe ab

Ist mehr als ein vager Eindruck
Ist ein Gefühl von Überzeugung
Dass Veränderung von Nöten sei
Ohne konkret zu sein dabei
Worin die Veränderung bestehen sollte
Als ob er das Vage zementieren wollte
Die Unzufriedenheit mit aktuellem IST
Die den Wunsch nach unbestimmtem ANDERS küsst