Forderungen einer Unsichtbaren

Ein Morgen im Mai. Ich bin gerade aufgewacht, gehe noch schlaftrunken ins Bad. Mein Blick streift den Spiegel und aus den Augenwinkeln sehe ich mein Spiegelbild. Mein Spiegelbild! Das heißt ich existiere tatsächlich! Zumindest reflektiert der Spiegel meine Existenz. Anders als der gesellschaftliche Diskurs: Egal wohin ich schaue, die Nachrichten – ob im Radio oder im Fernsehen und ganz gleich auf welchem Sender -, die Talkshows, die Zeitungen oder die themenbezogenen Einzelbeiträge in den Medien: Ich komme dort nicht vor. Nirgends. Ich bin Unsichtbar!

Bescheidenheit

„Bescheidenheit ist eine Zier
Doch weiter komm’ ich ohne Ihr“
Motto vieler jetzt und hier
Masken des Lächelns kaschieren berechnende Gier

Jeder Funken von Vertrauen
Wird genutzt zum Weiterkommen
Ohne zu fragen wird alles genommen
Das lässt in kalte Seelen schauen

Der Fremde

Ich seh‘ Dich seit Jahren jeden Tag
Kenn‘ jede Kontur in Deinem Gesicht
Freu‘ mich auf Dein Lächeln, das ich so mag
Doch Deinen Namen kenn‘ ich nicht

Morgens 8 Uhr 15, Linie vier
Wie immer steigst Du ein
Ich heb‘ den Kopf – seh‘ zu Dir
Draußen blitzt der Sonnenschein