Der Fremde

Ich seh’ Dich seit Jahren jeden Tag
Kenn’ jede Kontur in Deinem Gesicht
Freu’ mich auf Dein Lächeln, das ich so mag
Doch Deinen Namen kenn’ ich nicht

Morgens 8 Uhr 15, Linie vier
Wie immer steigst Du ein
Ich heb’ den Kopf – seh’ zu Dir
Draußen blitzt der Sonnenschein
Suchend durchschweift Dein Blick die Tram
Bis unsere Augen sich gefunden
Dein Lächeln für mich – vertraut und warm
Selbst der dunkelste Tag kann daran gesunden

Als Antwort huscht mein Lächeln zu Dir
Ich sehe, Du hast darauf gewartet
Vollkommenes Einverständnis zwischen Dir und mir
So ist das kleine Glück geartet

Steigst Du nicht ein, mach’ ich mir Sorgen
Bist Du krank, bist Du verreist?
Wirst Du da sein am nächsten Morgen?
Ich fühl’ mich in der Welt verwaist

Heute war die Tram sehr voll – man musste steh’n
8 Uhr 15 – gerade kamst Du noch hinein
Einer Berührung konnten wir jetzt nicht entgeh’n
Lächeln an Lächeln, Arm an Arm, Bein an Bein

Großes Gefühl - sehr sonderbar
Leichten Sinnes begann ich diesen Tag
Später fiel mein Blick in meine Tasche und überraschend fand ich da
Eine schöne rote Rose, die zwischen Lippenstift und Schlüsseln lag!


© 2021 Joanna Watson Stein

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