Treibsand

Hat sich nie so richtig festgelegt
Was ihn ausmacht und was nicht
Mit rauschender Karriere darüber hinweg gefegt
War auch bequemer so aus seiner Sicht

Ein glänzendes Leben mit Bravour errichtet
War überall beliebt und gern gesehen
Fragen, die ihn selbst betrafen, mit Betriebsamkeit vernichtet
Zweifel niemals weggeschoben: er ließ sie nie entstehen

Winterwunsch

Hätt‘ ich einen Wunsch jetzt frei
Wünscht‘ ich dieses mir herbei:
An einem abgeleg’nen Strand im Morgengrauen
Dem Sonnenaufgang zuzuschauen
In Ruhe dabei zu lauschen
Dem sanften Meeresrauschen
Hinein zu gleiten ins türkisene Meer
Kühl, klar und rein rings umher
Dann erfrischt dem Meer entstiegen
Eine Weile noch am Strand zu liegen
Sich auf das Glück zu leben zu besinnen
Um dann den Tag mit Frühstück zu beginnen

Licht

Auf Rampen kann man ihm nicht entgehen
In Tunneln kann man es nur am Ende sehen
Es nimmt täglich mit der Sonne seinen Lauf
Und manchmal geht es auch jemandem auf

Von sanft über schillernd bis grell
Kennt es alle Facetten von hell
Besiegt die Nacht verlässlich jeden Morgen
Und trägt den Regenbogen in sich verborgen

Verloren

Ihr ganzer Körper ist erfüllt von Schmerz
Eingemauert ist die Seele, ist das Herz
Ihr ist kalt, eiskalt
Durch einen kleinen Mauerspalt
Sieht sie die anderen Menschen lachen, weinen
Lieben, leben und sich vereinen
Sie haben ihre Trauer wohl erkannt
Und reichen ihr die Hand
Doch sie schafft es nicht, sie zu ergreifen
Die Mauern um das Herz sind nicht zu schleifen

Reset

Kann es selbst kaum fassen
Hab’ mich entschieden
Dich hinter mir zu lassen
Um meinen Zwiespalt zu befrieden

Warst so tief und weit in mir verwoben
Wenn man Deine Fasern extrahiert
Geht mir jegliche Struktur verloren
Purer reiner Tisch, auf dem die Leere dominiert

Es beginnt ein neues Leben
Jedes Detail ist neu zu definieren
Erinnerung kann keinen Maßstab geben
Muss alles neu erkennen und neu einsortieren

Zeitgeist

An einem Nachmittag in diesem Jahr
Schien es mir, dass ich ihn in der Ferne sah
Seine Kontur war allerdings verschwommen
Gleichwohl verlockend, ihm ein wenig näher zu kommen
Seine ungefähre Position war von meinem Standpunkt aus zu sehen
So nahm ich mir die Freiheit, einen Schritt in seine Richtung hin zu gehen
Er ist kaum zu fassen doch überall präsent
Jedermann behauptet, dass er den Zeitgeist kennt
Und dass dieser mit seiner wegweisenden Eigenart
Verschmolzen ist mit unserer Gegenwart
Was dies für die Beziehung zwischen Gegenwart und Zeitgeist heißt,
Ob er sich von ihr ernährt oder sie im Gegenteil speist
Darüber lässt sich lange spekulieren
Jedenfalls versucht er stets, die Gegenwart mit Stil neu zu verführen

Un-Ruhe Geist

Un-Ruhe Geist – das unbekannte Wesen?
Nein, unbekannt ist er mir nicht gewesen
Undefiniert dagegen ist er allerdings
Hält sich alle Türen offen rechts und links
Grenzt sich geschickt nur negativ und knapp
Von Zufriedenheit und Ruhe ab

Ist mehr als ein vager Eindruck
Ist ein Gefühl von Überzeugung
Dass Veränderung von Nöten sei
Ohne konkret zu sein dabei
Worin die Veränderung bestehen sollte
Als ob er das Vage zementieren wollte
Die Unzufriedenheit mit aktuellem IST
Die den Wunsch nach unbestimmtem ANDERS küsst

Interessiert

Die Neugier mit der Offenheit liiert
Empfangsfunktion der Sinne aktiviert
Wahrnehmen, was in der Welt passiert
Erweiterung des Horizonts freudig anvisiert
Manches persönlich ausprobiert
Gelegentlich von Dingen fasziniert
Andere Dinge nur mit Mühe toleriert
Vor allem niemals irgendetwas ignoriert
Erfahrungen dazu addiert
Und neue Einsicht formuliert
Manchen Standpunkt nachjustiert
Zu weilen neue Seiten bei sich selbst identifiziert 
Sich phasenweise ganz neu definiert

Verderben

Im März vor einem Jahr
Als er sie bei einem Abendessen sah
War eine erste kleine Flamme da
Knisternd, prickelnd und bezaubernd unwägbar

SIE! So fragil, so pur und von elegantester Gestalt
Ihr Charisma dem Körper und dem Geist in gleichem Maße galt
Sie hatte sich in seine Gedanken eingeschlichen
Die seit diesem Abend nicht mehr von ihr wichen

ER: Ein Lebe lang kühl und unnahbar
Souverän bis arrogant nahm man ihn wahr
Konnte seine Gedanken nun nicht mehr bezwingen
Die sich mit drängender Macht alle in ihr verfingen

Im Park

Schnelllebig und hektisch ist diese Zeit
Sich in ihr zu behaupten ist keine Kleinigkeit
Überlebenskämpfe – eitel und rücksichtslos geführt
Wo man auch hinschaut, berechnende Härte ist’s, die regiert
Immer auf der Hut – stets zur Verteidigung bereit
Das Leben von Vertrauen und Frieden befreit
Und in Mitten all’ dessen sitzt sie im Park auf einer Bank