Advent

Advent, Advent ein Lichtlein brennt:
Besinnlichkeit und Nächstenliebe
sei dem Advent doch immanent,
so dachte ich naiver Weise – Kerzenschein und Friede.

Doch weit gefehlt: Statt Besinnlichkeit
macht sich der Weihnachtsterror breit.
Vom Ehrgeiz gestählte Gesichter: 
Wer verschenkt die schönsten Lichter?
Wer hat am meisten selbst gemacht?
Wer hat sich besonders nette Dinge ausgedacht?
Noch ein Kalender für den Lehrer, wär‘ das nicht fein?
Und noch eine Gabe für den Trainer im Verein,
noch ein Päckchen für die „Hilfe in Timbuktistan“
und ein Kränzlein für die Horterzieher fertigen wir auch noch an.

Die Weihnachtsterroristen treten zuverlässig auf den Plan,
sobald Advent und Weihnachtstage nah‘n.
Wer sind sie und wo kommen sie her?
Was wollen sie und warum machen sie den Advent so schwer?

Meist sind sie weiblich und im mittleren Alter,
arbeiten kaum, sind Familienverwalter.
Natürlich bestens organisiert,
in der Regel sehr gut situiert,
politisch und menschlich absolut korrekt,
ihr Benehmen grundsätzlich perfekt.
Rotten sich zusammen an verschiedensten Stationen,
infiltrieren als Elternsprecher sämtliche Institutionen.
Sprechen von Mildtätigkeit und von Geschenken – wär‘ das nicht nett? 
Niemand wagt da Widerspruch – der soziale Druck ist schon komplett.
Der Zwang zu schenken etabliert,
die Freude am Schenken von Herzen restlos eliminiert.

Sinnloseste Geschenke werden ohne jegliches Gefühl
gestresst erworben im vorweihnachtlichen Gewühl
oder auf die Schnelle hergestellt,
egal, ob’s dem Beschenkten überhaupt gefällt.
Dieser muss dann Freude heucheln – so tun als wäre er gerührt,
doch ein Blick in seine Augen und schon ist er überführt!
Die sechste Kerze, der achte Tee,
eine Bastelei, so schlecht, es tut fast weh‘!
Und die Gabe für Timbuktistan 
kam auch niemals bei den Kindern an!
Aber egal, denn des Schenkers kleines Gewissen 
ist ja beruhigt – von der eig’nen Großzügigkeit ganz hingerissen.

Wo ist die Besinnlichkeit? Wo ist der Frieden?
Wo ist das Elixier der Weihnachtszeit geblieben?
Wärme, Ehrlichkeit und Taten, die von Herzen kommen,
dann wär’s vielleicht zurück gewonnen.
Vielleicht hilft ein SEK, das Weihnachtsterror rechtzeitig erkennt?
Dennoch: Es lebe der Advent!

© 2021 Joanna Watson Stein

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: